Warum sind die Dinosaurier ausgestorben?
Ganz unumstritten ist das nicht. Welche Rolle gewaltige Vulkanausbrüche in Indien spielten, wird bis heute diskutiert. Und ganz verschwunden sind die Dinosaurier auch nicht, dazu weiter unten.
Was passierte beim Einschlag?
Der Asteroid traf mit mehreren Kilometern pro Sekunde auf flaches Meer und hinterließ einen Krater von rund 180 Kilometern Durchmesser, den Chicxulub-Krater. Die Druckwelle, Flutwellen und glühende Trümmer, die um den halben Planeten flogen, verwüsteten die Umgebung.
Tödlicher war, was danach kam. Staub und Schwefel aus dem verdampften Gestein verdunkelten den Himmel, die Temperaturen stürzten ab, und die Pflanzen konnten kaum noch Photosynthese betreiben. Erst starben die Pflanzen, dann die Pflanzenfresser, dann die Räuber. Etwa drei Viertel aller Arten verschwanden, an Land wie im Meer.
Woher weiß man das?
Aus einer dünnen Tonschicht, die weltweit genau an der Grenze zwischen Kreidezeit und Paläogen liegt. Der Physiker Luis Alvarez und sein Sohn, der Geologe Walter Alvarez, fanden darin 1980 ungewöhnlich viel Iridium. Das Metall ist in der Erdkruste selten, in Asteroiden aber häufig.
Den passenden Krater entdeckte man erst Anfang der Neunzigerjahre, begraben unter jüngeren Gesteinsschichten. Geschockter Quarz und erstarrte Gesteinströpfchen aus der Einschlagzeit bestätigten den Zusammenhang. 2010 fassten 41 Forschende den Stand im Fachblatt Science zusammen und kamen zu dem Schluss, dass der Einschlag das Massensterben ausgelöst hat. Unwidersprochen blieb das nicht.
Wer zweifelt an der Einschlag-These?
Vor allem Forschende, die die Dekkan-Trapps in Indien untersuchen. Dort flossen über mehrere hunderttausend Jahre rund um das Ende der Kreidezeit gewaltige Lavamassen aus, insgesamt mehr als eine Million Kubikkilometer. Die Ausbrüche setzten Kohlendioxid und Schwefel frei, die das Klima je nach Menge erwärmen oder abkühlen. Die Paläontologin Gerta Keller vertritt seit Jahrzehnten die Ansicht, dass der Vulkanismus die Hauptursache war und der Einschlag eine bereits angeschlagene Welt nur noch traf.
Ein Kernpunkt des Streits ist die zeitliche Abfolge. 2019 erschienen im selben Heft von Science zwei Datierungen der Lavaschichten mit unterschiedlichem Ergebnis: Die eine sieht einen großen Ausbruchsschub kurz vor dem Einschlag, die andere den Großteil der Lava erst danach. 2023 kam eine Modellrechnung zu dem Schluss, dass die Gase der Dekkan-Trapps allein ausgereicht haben könnten, um das Massensterben auszulösen.
Was sagt die Mehrheit der Forschung?
Die meisten Fachleute sehen im Einschlag den Auslöser, aber nicht mehr als einzigen Faktor. 2020 verglich ein Team um Pincelli Hull Temperaturdaten aus Tiefseebohrkernen mit Modellen des Kohlenstoffkreislaufs. Demnach begannen und endeten die großen Gasausstöße der Vulkane deutlich vor dem Einschlag, und nur der Einschlag fällt zeitlich mit dem Aussterben zusammen. Eine Studie von 2024 fand an Land eine Abkühlung um etwa fünf Grad rund 30.000 Jahre vor dem Aussterben, die zu einem Vulkanschub passt. Bis zum Einschlag hatten sich die Temperaturen aber wieder erholt.
Viele sprechen deshalb von einem Zusammenspiel: Die Vulkane setzten die Ökosysteme über lange Zeit unter Druck, der Einschlag gab den plötzlichen Stoß. Offen ist auch, ob die Dinosaurier vorher schon im Niedergang waren. Manche Auswertungen sehen einen Rückgang der Artenvielfalt über Millionen Jahre, andere halten ihn für eine Lücke im Fossilbericht.
Sind wirklich alle Dinosaurier ausgestorben?
Nein. Vögel stammen von kleinen, gefiederten Raubdinosauriern ab und zählen in der Biologie selbst zu den Dinosauriern. Die Amsel im Garten ist ein Nachfahre der Tiere, die den Einschlag überlebt haben. Ausgestorben sind die übrigen Dinosaurier, dazu die Flugsaurier und viele Meeresreptilien, die selbst keine Dinosaurier waren.
Was von ihnen übrig blieb, liegt als Fossil im Gestein, manchmal sogar ihr Kot als Koprolith. Eine eigene, weniger ernst gemeinte Theorie zum Aussterben vertritt unser Dinosaurier-Becher: Es war der heiße Kaffee.
Quellen
- L. W. Alvarez u. a.: Extraterrestrial Cause for the Cretaceous-Tertiary Extinction. Science 208 (1980)
- P. Schulte u. a.: The Chicxulub Asteroid Impact and Mass Extinction at the Cretaceous-Paleogene Boundary. Science 327 (2010)
- A. R. Hildebrand u. a.: Chicxulub Crater. A possible Cretaceous/Tertiary boundary impact crater on the Yucatán Peninsula, Mexico. Geology 19 (1991)
- P. M. Hull u. a.: On impact and volcanism across the Cretaceous-Paleogene boundary. Science 367 (2020)
- A. A. Chiarenza u. a.: Asteroid impact, not volcanism, caused the end-Cretaceous dinosaur extinction. PNAS 117 (2020)
- B. Schoene u. a.: U-Pb constraints on pulsed eruption of the Deccan Traps across the end-Cretaceous mass extinction. Science 363 (2019)
- C. J. Sprain u. a.: The eruptive tempo of Deccan volcanism in relation to the Cretaceous-Paleogene boundary. Science 363 (2019)
- A. A. Cox, C. B. Keller: A Bayesian inversion for emissions and export productivity across the end-Cretaceous boundary. Science 381 (2023)
- L. K. O'Connor u. a.: Terrestrial evidence for volcanogenic sulfate-driven cooling event ~30 kyr before the Cretaceous-Paleogene mass extinction. Science Advances 10 (2024)
- F. L. Condamine u. a.: Dinosaur biodiversity declined well before the asteroid impact. Nature Communications 12 (2021)
Und, gemerkt?
Welches Element verriet den Asteroideneinschlag am Ende der Kreidezeit?
